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Bodenständig

Aktualisiert: 5. Sept. 2022

Wie finde ich Zufriedenheit?

 

Es ist 5:40. Ich sitze in der S1 in Hamburg Richtung Flughafen. Wir schreiben den 22.08.2022. Trotz der Müdigkeit bin ich voller Vorfreude. Ich bin mal wieder weniger als ein Tag davon entfernt meinen physischen Körper nach Rio de Janeiro zu verfrachten. Die letzten Wochen waren sehr besonders und ich war immer nur sehr sehr kurz mit dem Boy Jung Kemmo am craften und in Kontakt. Eigentlich ging es nur darum die 2 Lieder "High auf dem Spaceship" und "7Tage" zu mastern. Den Rest der Zeit wurde voll und ganz der Familie gewidmet.

Seit 16 Jahren bin ich nun Vater. Seit 37 hab ich einen auf der Erde. Seit 1 1/2 bin ich ohne Väter der nächsten Generation drüber. Irgendwann werde ich wohl auch am Ende dieser Linie landen. Zumindest ist das glaube ich der Wunsch so fast jeden Vaters stell ich mir vor. Familie ist etwas enorm intensives und mich ihr immer wieder hinzugeben ist eine riesen Priorität in meinem Leben. Ich habe das Glück in einer unglaublich stabilen Konstellation aufgewachsen zu sein und weiß das jedes Jahr mehr Wert zu schätzen. Es wird auch wohl immer rarer werden lange Ehen auf unserem Planeten zu erleben die Hauptsächlich auf Hingabe und eingeschränkter Zweisamkeit basieren. Zumindest verglichen mit dem unserer nahen Vergangenheit. Somit versuche ich wenn ich mal die Möglichkeit habe lange Zeit in diesem Umfeld zu verbringen so viel mitzunehmen wie ich nur kann.

Ein Blick auf die Uhr verrät mir es ist 5:55. Noch 14 Minuten laut Plan bis zum Flughafen. Was werde ich wohl in Brasilien erleben? Werde ich wie so oft neue Bekanntschaften machen? Falls ja, wer wird es diesmal sein? Werde ich neue Orte besuchen? Neue Naturspektakel entdecken? Man ist das immer eine Freude und Lebensgefühl der Extraklasse kurz vor so einer intensiven Reise und nach so einer intensiven Zeit mit der Familie.

Wenn ich den Kopf hebe sehe ich meinen Sohn. Was er wohl alles so erleben wird? Es wird sein ersten mal in Brasilien sein. Ich bin schon sehr gespannt ob er mit diesem Land etwas anfangen kann. Nächstes Jahr wird er schon 18 aber bis heute spielt er viel Mario und ist ungewöhnlich jung geblieben. Mir bringt das gute Gefühle und ich wünsche und gönne ihm so lange Kind zu bleiben wie es nur geht.

So in wenigen Minuten ist Ankunft am Flughafen. Emotionen kommen hoch. Bilder im Zeitraffer erscheinen vor meinem inneren Auge. Das Herz schlägt schneller. Der Boy ist voller Glück und wünscht sich selber ein guten Flug. Vergessen geglaubte Erinnerungen kommen wieder aus dem nichts und ich weiß mit absoluter Sicherheit mein Leben ist bis jetzt perfekt gelaufen. Ich liebe diese Momente über alles und bin so unendlich dankbar wenn ich sie so bewusst wahrnehmen darf.

Jetzt ist es 6:06. Noch stehe ich nicht auf brasilianischem Grund aber ich muss sagen ich bin extrem geerdet gerade und fühle mich trotzdem auch hier in Deutschland sehr bodenständig.


 

Die ersten 24 Stunden in Brasilien

Angekommen am Flughafen ging es schon gut los. Nachdem wir easy durch alle Kontrollen gekommen sind meinte ein Beamter am Flughafen irgendwas mit Maske in unsere Richtung. Als ich ihn fragte ob ich denn eine bräuchte, meinte er nein, während er auf meinen Sohn zeigte und sagte, nehm bitte die Maske ab, das braucht ihr hier nicht. Mein Sohn reagierte sofort und nahm die Maske ab. (Bis heute hat er sie nicht mehr aufgezogen, Stand: 31.08)

Kurze Zeit später, nachdem wir von der Schwiegermutter herzlich empfangen wurden, ging es mit der Abholung meines Mietwagens weiter. Dort verweiten wir über eine halbe Stunde in der Schlange die aus einem Menschen vor uns bestand. Es dauerte genauso lange für die Bearbeitung unserer Daten und dem Ausleihen des Mietwagens. Somit war erstmal eins wieder gesichert, in Brasilien wird eine Menge Geduld abverlangt aber gleichzeitig bedeutet das, die Menschen hier haben definitiv einen gewalltigen Vorteil, sie haben Zeit. Eines der Vorgänge beruhte auf die Änderung der Kaution von 2700 Real auf 785 Real da ich meinte ein Kollege hätte mir das am Telefon so durchgegeben. Ohne zu prüfen meinte die Mitarbeiterin es wäre kein Problem, machen wir und änderte die Summe. Ebenso brasiliansch total ohne Sinn war der Bezahlvorgang den ich zuvor doppelt beim Anbieter Movida per Telfon von Deutschland aus überprüft hatte. Dort hieß es noch ich bräuchte unbedingt eine auf meinen Namen ausgestellte Kreditkarte, auf keinen Fall eine Debitkarte und alle anderen Bezahlmethoden würden nicht akzeptiert werden. Vor Ort jedoch genau das Gegenteil, meine Kreditkarte wurde nicht akzeptiert, sie hätte jede beliebige Karte eines anderen angenommen der persönlich anwesend wäre und meine Debitkarte funktionierte. Ein sehr typisches brasilianisches Ereigniss.

Dann war es Zeit den Tag endlich zu beenden bevor es am nächsten Tag nach dem Aufstehen und der Entscheidung auf die Straßen zu gehen schnurstraks weiter ging. Erstmal wollte meine Debitkarte nicht angenommen werden und funktionierte erst nachdem wir sie sporadisch in eine Kreditkarte umwandelten woraufhin die Maschine sie akzeptierte obwohl auf der Karte selbst sogar Debit vermerkt ist. In der Bank kam es mal wieder zu einem meiner absolut favorisierten Momenten. Nachdem dort der Betrag und alles fertig eingegeben ist zum abheben einer bestimmten Geldmenge taucht stets die Frage auf ob die 8,5% Zuschlag der Bank akzeptiert werden für den Bearbeitungsvorgang. Mit einer einfachen Berührung auf das Kästchen in dem steht 'decline' bricht der Automat sämtliche weiteren Vorgänge ab und spuckt einfach das Geld aus ohne anfallenden Gebühren. Sehr brasilianisch!

Zuletzt am morgen des Tages kam es noch zum übrigen Supermarktgeschehen in dem die Kassierer mit aller Zeit der Welt sich mit den Kunden unterhalten, die Banknoten in Ruhe sortieren, sie ein paar mal streicheln und so tun als hätten sie den ganzen Tag Zeit dafür. Von einem der Kassierer ertönte dann noch ein klassisches 'Troco' was Wechselgeld bedeutet worauf hin, aber natürlich nicht sofort, eine Mitarbeiterin an mir vorbeilief, mich anschaute und mir sagte, ja klar hab ich Wechselgeld aber bitte alles zu seiner Zeit oder, sich über den Mitarbeiter beschwerend. Wirklich brasilianisch!

Am Abend dann wagten wir den Weg zu einer Aussichtsplattform der allerdings kurz nach 6 Uhr abends von der Polizei gesperrt war. Ich war verwundert da ich schon oft nach Sonnenuntergang den gleichen Weg genutzt hatte und bissher noch nicht auf Polizei getroffen war. Nach einem kurzen Gespräch mit einer Beamtin hieß es erst morgen wieder und jeden Tag wäre hier Dicht ab 5 Uhr. Total im Unglaube fragte ich nebenan die Busfahrerrunde die an der Endstation ihre Pause genoßen seit wann denn hier der Weg gesperrt wäre. Eine Kollegin verklickerte mir zu meiner Bestätigung, dass ich doch bitte noch ein paar Minuten warten sollte denn so gegen Zehn nach Sechs würden die alle abdampfen und der Weg wäre frei, was auch genausso geschah. Ihr wisst schon, brasilianisch halt!


 
MAL GANZ EHRLICH
Ich bin gerade extrem weit Weg von der Version die ich noch vor weniger als 2 Wochen war. Es fühlt sich an als wäre ich auf einem parallelen Planeten und ich feier es extrem ab!

Was passiert jetzt?

Dieser Teil des BLOGs entsteht bereits über einer Woche später und ich muss sagen ich bin völlig baff. Ich habe so viele Kontakte geknüpft, so viele neue Menschen kennen gelernt, tiefe Emotionen gespürt, lange geweint, Panik bekommen, mein Haus besucht, alte Bekannte getroffen, unter einem Wasserfall gebaded, In der Sonne meditiert, auf der Toilette ein Nickerchen gemacht aus Erschöpfung, geile Einkäufe getätigt, unglaublich tolle und intensive Konversationen geführt, mehr erlebt als ich in der Zeit aufschreiben könnte in der ich eh noch mehr erlebe, unerklärbare Himmelsphänomene wahrgenommen, die Milchstraße mit Nebulas gesehen mit dem bloßen Auge, super leckere Früchte gegessen und so vieles mehr. Ich bin so super froh wieder hier zu sein. Was in den nächsten Wochen kommt kann ich wirklich nicht sagen. Ich habe ein paar Ideen aber hier lebe ich meistens tatsächlich in den Tag hinein und es passiert selten, dass es genau so kommt wie ich es mir im Detail eventuel zuvor vorstelle. Das macht mir sehr viel Spaß. Ein hoch auf den Zufall!

Übermorgen fahren wir nach Sao Paulo und ich bringe den Sohn zum Flughafen von wo aus er mit 16 alleine nach New York reisen wird. Bis jetzt hatten wir eine super Zeit und einer der schönsten Momente war im Auto in dem wir viel geredet haben und er meinte, ob es nicht toll wäre mal eine endlos expandierende Nebula von näher zu sehen als Mensch. Was ein toller Gedanke! Hat mich völlig umgehauen in dem Moment. Ansonsten wurde ich bereits eingeladen an einem DIY (Do it yourself) Straßenfest als Rapper teilzunehmen in ca. 2 Wochen. Das wäre natürlich Weltklasse wenn das geschehen würde. In der Zeit nach Sao Paulo werde ich mal schauen was noch alles kommt. Ich kann mir viel vorstellen inklusive ein Besuch auf meine lieblings Trauminsel Ilha Grande. Aber auch einfach nur hier in den Bergen zu sein ist super. Auf jeden Fall geht am 20. September mein Flug den ich allerdings versuche noch ein paar Tage nach hinten zu schieben.

Ich drück dich!


 

FLYMINGOlife

Mit RAPEZITO geht es weiter bergauf. Wir haben den zweitbesten Monat erzielt seit der Gründung. Auf der Seite Trippin' through Dimensions hat sich leider noch nichts getan aber es gibt jede Menge Material was dort veröffentlicht werden will. Auf YahYel & Freunde ist es weiterhin still gerade aber der Kontakt mit der Sternenfamilie ist unglaublich intensiv gerade während der Zeit in Brasilien.

 

Ich freu mich auf unsere Reise in den kommenden Wochen und Monaten!


Sooooooooooo! Fair!



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